Weniger Anmeldungen für den Führerschein im Kreis Borken
Veröffentlicht: Dienstag, 17.02.2026 14:29
Ende März bespricht Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder bei der Verkehrsministerkonferenz mit den Ländern sein Eckpunktepapier zur Führerscheinreform. Seine Absicht: Der Führerschein soll günstiger werden. Leider haben bereits veröffentlichte Teile des Papiers dazu geführt, dass bei den Fahrschulen weniger Anmeldungen eingehen.

Bis zu 50 % weniger Anmeldungen für den Führerschein
Wir haben über das Thema mit Fahrlehrern in Ahaus und Bocholt gesprochen. Sie sehen das Ministerpapier durchaus kritisch und können weniger Anmeldungen auch bei uns bestätigen. Ihr Rat: Den Führerschein jetzt machen und nicht abzuwarten. Denn noch sind es Pläne und ein Gesetzgebungsverfahren kann sich lange hinziehen. Bis zum Inkrafttreten kann es ein zwei Jahre dauern - mindestens.
Verkehrsministerkonferenz Ende März
Bund und Länder haben sich im Februar in einer Arbeitsgruppe auf eine Reform der Fahrschulausbildung geeinigt. Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder hat seine Pläne dort vorgestellt. Ende März muss noch die Verkehrsministerkonferenz der Länder zustimmen, dann beginnt das Gesetzgebungsverfahren.
Hier das Wichtigste zur Führerscheinklasse B (Pkw-Führerschein):
Die Prüfungszeit der Fahrprüfung soll reduziert werden: Künftig muss die Mindestfahrzeit für die Klasse B 25 Minuten betragen, die Prüfungsdauer 40 Minuten. Insgesamt heißt es in dem Entwurf, auch in Bezug auf andere Klassen: Für alle anderen Klassen soll die Mindestfahrzeit 45 Minuten betragen, die Prüfungsdauer insgesamt 70 Minuten.
Weniger Fragen in der Theorieprüfung: Außerdem soll der Fragenkatalog für die theoretische Prüfung der Klasse B um etwa 30 Prozent reduziert werden. Statt 1.169 Fragen sollen es künftig etwa 840 sein. Wie unterrichtet wird - ob in Präsenz oder digital - darf künftig die Fahrschule selbst entscheiden. Die Theorieausbildung kann künftig also auch komplett digital stattfinden, Fahrschulen müssen keine Unterrichtsräume und Lehrmittel mehr vorhalten.
Eltern dürfen Fahrstunden geben. Reduziert werden soll auch die Anzahl der sogenannten Sonderfahrten, also Autobahnfahrten, Überlandfahrten oder Fahrten im Dunkeln. Künftig ist für den Pkw-Führerschein nur noch jeweils eine Sonderfahrt vorgesehen, insgesamt also drei. Die Sonderfahrten dürfen nicht auf dem Simulator durchgeführt werden. Außerdem soll ein Teil der praktischen Fahrausbildung auch durch Laien möglich werden. Das Eckpunktepapier spricht von "Personen mit einem besonderen Naheverhältnis zum Bewerber", zum Beispiel durch die Eltern. Die Laienausbildung nach dem österreichischen Modell wird also ermöglicht. Minister Schnieder plant auch, die Kosten des Führerscheins transparenter zu machen. Fahrschulen müssen künftig alle drei Monate ihre Preise einheitlich an das Verkehrsministerium melden. Vergleichsportale können die Daten abrufen und verbrauchergerecht veröffentlichen.
Fahrschulen beklagen Auftragsrückgang: Schnieders Pläne, über die der Minister im Oktober 2025 erstmals öffentlich sprach, stürzten viele Fahrschulen in eine Krise. 50 Prozent weniger Anmeldungen beklagt Dieter Erlewein in Bocholt. Das sei der "Schnieder-Effekt", schimpft er. Und beklagt die finanziellen Einbußen. Denn die Kosten für Autos, Versicherungen und Miete bleiben ja. Ähnlich hat sich auch die Ahauser Fahrschule von Guido Franke gegenüber RADIO WMW geäußert. Bei ihr halten sich die Anmeldezahlen noch im grünen Bereich. Das liege daran, dass im ländlichen Raum Führerscheine notwendig sind, weil das ÖPNV Angebot, wie in Großstädten, nicht ausreicht, um mobil zu bleiben.


