Borken: 80-Liter-Restmülltonne vor Entscheidung
Veröffentlicht: Mittwoch, 21.01.2026 06:33
Mittwoch Abend (21.01.26) entscheiden die Borkener Politiker über eine mögliche 80-Liter-Restmülltonne für kleinere Haushalte. Die Stadtverwaltung rät allerdings von der Einführung ab – trotz positiver Online-Umfrage.

Borkener Politiker beraten über kleinere Restmülltonne
Soll es in Borken künftig eine 80-Liter-Restmülltonne geben? Diese Frage steht heute Abend im Mittelpunkt der Sitzung des Planungsausschusses im Rathaus. Ab 17 Uhr beraten die Politiker über eine mögliche Einführung der kleineren Restmülltonne, nachdem bereits im vergangenen Jahr erste Diskussionen dazu geführt wurden. Die Stadtverwaltung hat umfangreiche Informationen zusammengestellt und spricht sich zum jetzigen Zeitpunkt gegen die Einführung aus. Das Thema beschäftigt bereits heute Morgen die Radio WMW-Nachrichten, da viele Bürger im Westmünsterland auf eine Entscheidung warten. Besonders kleinere Haushalte erhoffen sich durch eine 80-Liter-Tonne eine gebührentechnische Entlastung.
Online-Umfrage zeigt geteiltes Meinungsbild im Kreis Borken
Um eine fundierte Entscheidungsgrundlage zu schaffen, führte die Stadtverwaltung von Mai bis Juli 2025 eine Online-Bedarfsabfrage durch. Von den 13.803 Restmüllgefäßen in Borken beteiligten sich jedoch nur 250 Haushalte an der Umfrage – das entspricht einer mageren Teilnahmequote von 1,81 Prozent. Dennoch zeigten die Ergebnisse ein klares Bild: 58,4 Prozent der Teilnehmer sprachen sich für die Einführung einer 80-Liter-Restmülltonne aus. Fast alle Befürworter nutzen aktuell ein 120-Liter-Gefäß und leben hauptsächlich in Ein- und Zweifamilienhäusern. Größere Haushalte mit mehr als drei Personen lehnten die kleinere Tonne mehrheitlich ab.
Verwaltung sieht mehr Nachteile als Vorteile
Trotz der positiven Resonanz in der Umfrage warnt die Borkener Stadtverwaltung vor einer vorschnellen Einführung. Die Beamten sehen erhebliche Nachteile: Eine erhöhte Gefahr von Fehlwürfen in andere Abfalltonnen, einen enormen administrativen Aufwand und eine stärkere finanzielle Belastung für Familien mit Kindern oder pflegebedürftigen Personen. Zudem führe die Einführung einer kleineren Tonne nicht zu Einsparungen, sondern lediglich zu einer Umverteilung der Abfallgebühren. Je nach Berechnungsszenario würden die Gebühren für 120- und 240-Liter-Gefäße zwischen zwei und 15 Prozent steigen. Rein rechnerisch benötigt jeder Einwohner etwa zehn Liter Restmüllvolumen pro Woche – eine 80-Liter-Tonne würde daher nur für Ein- und Zweipersonenhaushalte ausreichen.
Ahaus als Vergleichskommune im Westmünsterland
Als Vergleich zieht die Verwaltung die Nachbarstadt Ahaus heran, wo bereits 48 Prozent aller Haushalte eine 80-Liter-Restmülltonne nutzen. Dort gibt es diese Gefäßgröße allerdings schon seit mehr als 25 Jahren, und der Anteil ist sukzessive angewachsen. In Ahaus verteilen sich die Restmülltonngrößen aktuell auf 48 Prozent (80 Liter), 28 Prozent (120 Liter) und 24 Prozent (240 Liter). Die Borkener Verwaltung betont jedoch, dass sich in anderen Kommunen gezeigt habe, dass kleinere Restmüllgefäße entgegen den Hoffnungen nicht zu einer Reduzierung des Müllaufkommens geführt hätten. Stattdessen werde der Müll oft in den kleineren Gefäßen verpresst oder es komme zu Fehlwürfen.
Umsetzung würde frühestens 2027 möglich sein
Sollten sich die Politiker heute Abend dennoch für die Einführung einer 80-Liter-Restmülltonne aussprechen, müsste zunächst die Abfallentsorgungssatzung geändert werden. Außerdem müssten über den Haushaltsplan 2026 Mittel für die Anschaffung der neuen Gefäße bereitgestellt werden. Die Verwaltung kalkuliert mit einer möglichen Einführung zum 1. Januar 2027, da der gesamte Prozess – von der Satzungsänderung über die Gefäßbeschaffung bis zum Umtausch durch die Bürger – erheblichen Vorlauf benötige. Erfahrungsgemäß führe die Einführung einer neuen Gefäßgröße zu einer Umtauschwelle, die beträchtliche personelle Kapazitäten binde.
Niedrige Abfallgebühren sprechen gegen Änderung
Ein weiteres Argument der Verwaltung gegen die 80-Liter-Tonne: Die Abfallgebühren in Borken gehören bereits jetzt kreisweit zu den niedrigsten. Eine gebührentechnische Entlastung kleinerer Haushalte sei daher nicht zwingend erforderlich. Zudem verlaufe die Abfallentsorgung im Stadtgebiet seit Jahren nahezu problemlos und beschwerdefrei. Die Sitzung des Ausschusses für Planen und Bauen beginnt heute um 17 Uhr im großen Sitzungssaal des Rathauses und wird per Livestream auf dem YouTube-Kanal der Stadt Borken übertragen. Neben der Restmülltonne steht auch die Evaluation der Laubsammelcontainer auf der Tagesordnung.


