Kreis Borken: Ab wann brauchen Kinder ein Handy?

Viele Eltern im Westmünsterland kennen das Problem: Das eigene Kind möchte ein Smartphone, aber wann ist der richtige Zeitpunkt dafür? In der RADIO WMW Morningshow gibt Schulpsychologe Sascha Borchers wichtige Antworten auf diese Frage.

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Handy-Diskussion

Der Sohn von Morningshow-Moderator Daniel Krawinkel ist jetzt acht Jahre alt und sagt ständig: "Ich hätte gern ein Handy!" Doch Daniel bleibt erstmal hart: "Ne, gibts noch nicht!". Trotzdem ist er unsicher bei dem Thema und fragt sich: Wann ist der richtige Zeitpunkt, mein Kind mit einem Handy ins Netz zu lassen? Diese Frage beschäftigt viele Eltern im Westmünsterland. In der heutigen Morningshow sprechen wir deshalb mit dem Experten Sascha Borchers, Leiter der regionalen Schulberatungsstelle im Kreis Borken, über das Thema "Ab wann sollte mein Kind ein Handy haben". (Alle Audio-Auszüge aus der RADIO WMW Morningshow mit Daniel Krawinkel und Sina Kuipers zu dem Thema findet Ihr weiter unten).

"Vielleicht ist die erste wichtige Frage, die wir uns als Eltern stellen sollen: Halten wir mein Kind für reif? Und: Was soll/darf/ kann das Kind mit dem Handy machen?",

so Sascha Borchers.

Reife wichtiger als Alter

Die Entscheidung für das erste Smartphone sollte laut dem Schulpsychologen nicht allein vom Alter abhängen. Viel wichtiger sei die individuelle Reife des Kindes. Eltern sollten ehrlich einschätzen, ob ihr Kind bereits verantwortungsvoll mit Medien umgehen kann. Dabei geht es nicht nur um technische Fähigkeiten, sondern vor allem um Selbstkontrolle und das Verständnis für Regeln. Ein achtjähriges Kind, das beim Fernsehen nicht von selbst aufhört oder ständig nach "nur noch fünf Minuten" fragt, ist möglicherweise noch nicht bereit für ein eigenes Smartphone.

"Reife ist, wenn ich erkennen kann, dass das Kind ein Stück weit eine Verantwortung für sein mediales Handeln übernehmen kann. Damit meine ich, es kann erkennen: Das tut mir jetzt gut, das tut mir jetzt nicht gut, das sind meine Grenzen und hier bin ich unsicher und hier frag ich am besten nochmal die Erwachsenen um Rat, wenn ich merke, hier läuft etwas nicht gut.",

sagt Sascha Borchers.

Klare Regeln für den Start ins digitale Leben

Wenn Eltern sich für ein Handy entscheiden, sollten von Anfang an klare Regeln gelten. Der Schulpsychologe empfiehlt einen schrittweisen Einstieg mit festen Vereinbarungen. Dabei können sowohl zeitliche Begrenzungen als auch inhaltliche Beschränkungen helfen, das Kind langsam an die digitale Welt heranzuführen.

Gemeinsam lernen statt allein lassen

Ein besonders wichtiger Tipp des Experten: Eltern sollten ihre Kinder nicht allein mit dem neuen Gerät lassen. Stattdessen empfiehlt Borchers, die ersten Schritte gemeinsam zu gehen. So können Eltern nicht nur bei technischen Problemen helfen, sondern auch problematische Inhalte direkt ansprechen und erklären.

Alternative für unentschlossene Eltern

Für Eltern, die noch unsicher sind, hat der Schulpsychologe einen konkreten Kompromiss-Vorschlag. Dieser könnte eine Brücke zwischen dem Wunsch des Kindes und den Bedenken der Eltern bilden.

"Mein Tipp wäre, so lang zu warten wie es geht. Ich würde mir überlegen, ob ich mit einem Handy anfange, oder ob nicht ein kleines Tablet besser wäre. [...] Viele Eltern sagen ja immer: Ich will mein Kind erreichen können, im Notfall. Da frage ich mich, wie oft kommt das wirklich vor?"

Online-Elternabend

Wer sich intensiver mit dem Thema beschäftigen möchte, kann an der Online-Veranstaltung "Mein Kind im Netz begleiten" teilnehmen. Die Schulberatungsstelle des Kreises Borken bietet diese am Montag, 26. Januar 2025, von 18:00 bis 19:00 Uhr an. Die Veranstaltung richtet sich an Sorgeberechtigte von Kindern im Grundschulalter und wird über die Plattform Zoom angeboten. Im Mittelpunkt steht die Frage: Was brauchen Kinder von ihren Sorgeberechtigten, um sich zunehmend selbstständig und sicher im Netz zu bewegen? Die Referentinnen Dr. Steffi Krawinkel und Christina Zumdieck, beide Diplom-Psychologinnen, geben praktische Tipps zur Begleitung der eigenen Kinder im Internet. Dabei geht es sowohl um Risiken eines freien Zugangs zum Internet als auch um die Grenzen von Verboten und Reglementierung.

Die Anmeldung zur kostenlosen Veranstaltung ist hier möglich.

Weitere Infos zu den Online-Elternabenden findet Ihr hier.

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