«Ach, diese Lücke» - Romanverfilmung mit Humor und Wehmut

Premiere „Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke“
© Sven Hoppe/dpa

Romanverfilmung

München (dpa) - Als der autobiografische Roman «Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke» 2015 erschien, wurde er ein Bestseller. Joachim Meyerhoff erzählt darin, wie er an der Otto Falckenberg Schule in München Schauspiel studiert und in der Zeit bei seinen Großeltern wohnt. 

Nun hat Simon Verhoeven die Geschichte mit einem prominenten Ensemble verfilmt, darunter Senta Berger, Bruno Alexander, Devid Striesow, Michael Wittenborn und Karoline Herfurth. Eine Adaption, die dem Buch in nichts nachsteht und ebenso unterhaltsam, berührend, lebensklug und immer wieder sehr komisch ist.

«Grabkammer mit Gerüchen»

Es gibt viele skurrile Momente in dem rund zweistündigen Film. Im Mittelpunkt steht der Schauspielschüler Joachim, gespielt von «Die Discounter»-Star Bruno Alexander.

So etwa, wenn Joachim die Münchner Villa seiner Großeltern erkundet, in der die Zeit vor Jahrzehnten stehengeblieben zu sein scheint. In der Speisekammer gibt es «Marmelade, die älter war, als ich». Der Raum sei eine Art «Grabkammer mit Gerüchen», wie Joachim findet. Natürlich gibt es auch ein Blutdruckmessgerät und einen Treppenlift - den auch Joachim bald zu schätzen weiß, als er sich eines Abends ziemlich angetrunken davon nach oben fahren lässt. 

Gurgelduett und Schampus zum Frühstück

Alkohol ist fester Bestandteil im Alltag von Joachims Großeltern, wunderbar dargestellt von Michael Wittenborn («Merz gegen Merz») und Senta Berger («Weißt du noch»), die einmal mehr in einem Film ihres Sohnes Simon Verhoeven mitspielte. 

Es ist großes Kino, wie Berger und Wittenborn morgens synchron im Badezimmer gurgeln - ein faszinierendes, minutenlanges «Gurgelduett», das im ganzen Haus zu hören ist. Zum Frühstück gibt es Champagner (herrlich: die Dellen in der Decke von den Korken, die beim Öffnen nach oben geflogen sind). Mittags dann Weißwein, Punkt 18.00 Uhr Whiskey, zum Abendessen Rotwein und als Schlummertrank Cointreau.

Lächeln mit Brustwarzen

Es sind diese Eigenheiten, die die Figuren so liebenswert machen. Großmutter Inge und Großvater Hermann sind ein doch recht schrulliges Paar, das sich in ebenso großer Liebe zugetan ist wie ihrem Enkel Joachim, ihrem «Lieberling». Man merkt dem Film an, mit welcher Hingabe alle Beteiligten daran gearbeitet haben. Auch Romanautor Joachim Meyerhoff brachte sich ein, schließlich wurde hier ein eigener Teil der Lebensgeschichte des Schauspielers verfilmt, der unter anderem am Burgtheater Wien spielte. Er habe die Entwicklung des Films eng begleitet, habe aber auch Freiheiten gelassen, sagte Produzentin Janine Jackowski. 

In weiteren Rollen zu sehen sind auch Devid Striesow und Laura Tonke als Joachims Eltern, Friedrich von Thun als berühmter Regisseur oder Tom Schilling als lässiger Regieassistent. Hervorragend besetzt ist auch Joachims Schauspielklasse, darunter Dana Herfurth («Call My Agent Berlin») oder Hille Nordens («Smalltown Girl»). Gemeinsam durchstehen sie das aufregende erste Jahr, in dem sie teils abstruse Aufgaben meistern müssen («Versuch mal mit den Brustwarzen zu lächeln!»). 

Wehmut und Vergänglichkeit

«Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke» ist aber nicht nur lustig. Eine Traurigkeit durchzieht den Film, vor allem bei Joachim, dessen Bruder Philipp bei einem Autounfall gestorben ist und eine Lücke hinterlassen hat, die sich nicht füllen lässt. So tut er sich auch beim Schauspielunterricht schwer, wie seine Lehrer bemängeln, darunter Gretchen Kinski (Anne Ratte-Polle), Gisela Marder (Karoline Herfurth) oder der Direktor (Johann von Bülow). 

Es ist auch die Wehmut angesichts der Tatsache, dass alles vergänglich ist, dass die Großeltern irgendwann nicht mehr in ihrer Villa leben werden. Dass liebgewonnene Traditionen und Gewohnheiten dann nur noch Erinnerungen sein werden, Stoff für Anekdoten. So wie das Singen beim gemeinsamen Wandern: «Froh zu sein bedarf es wenig ...». Es sind tröstliche Momente, denen aber schon die Angst vor einem endgültigen Abschied innewohnt. 

Die größte Zumutung

«Altwerden, das ist die größte Zumutung von allen», sagt Großmutter Inge. Das Schlimmste sei, geliebte Menschen um einen herum sterben zu sehen. So auch ihren Mann Hermann. Im Wohnzimmer stellt sie mit Blick auf ihre beiden Lieblingssessel weise fest: «Ich glaube, es ist besser, wenn ich von nun an in seinem Sessel sitze. Dann sehe ich nicht, dass er leer ist.»

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Premiere „Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke“
Simon Verhoeven (l-r), Joachim Meyerhoff und Bruno Alexander bei der Premiere.© Sven Hoppe/dpa
Simon Verhoeven (l-r), Joachim Meyerhoff und Bruno Alexander bei der Premiere.
© Sven Hoppe/dpa
Simon Verhoeven mit Senta Berger
In «Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke» hat Regisseur Simon Verhoeven seine Mutter Senta Berger für eine der Hauptrollen engagiert. (Archivbild)© Sven Hoppe/dpa
In «Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke» hat Regisseur Simon Verhoeven seine Mutter Senta Berger für eine der Hauptrollen engagiert. (Archivbild)
© Sven Hoppe/dpa
Premiere „Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke“
Bruno Alexander («Die Discounter») spielt die Hauptrolle in der Romanverfilmung. © Sven Hoppe/dpa
Bruno Alexander («Die Discounter») spielt die Hauptrolle in der Romanverfilmung.
© Sven Hoppe/dpa

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