
Wer steckt hinter den Geldautomatensprengungen?
Nach zahlreichen Automatensprengungen im Kreis Borken bleiben viele Fragen offen. Wer sprengt die Geldautomaten? Warum werden die Täter nicht schneller geschnappt? Und wie verhalten wir uns, wenn es ernst wird? Wir haben mit Kriminaldirektor Detlev Bosbach vom LKA NRW in Düsseldorf darüber gesprochen.
Veröffentlicht: Freitag, 03.03.2023 11:53
Netzwerk der Täter umfasst über 1000 Leute
Erst Gas jetzt Sprengstoff. Skrupellose Täter, zu 80 Prozent Niederländer mit marrokkanischen Wurzeln, kommen zu uns nach NRW, um hier Geldautomaten auszurauben. Denn hier finden sie aufgrund der vielen vorhandenen Geldautomaten viele Tatgelegenheiten, sagt Kriminaldirektor Detlev Bosbach vom LKA NRW in Düsseldorf. Seine Behörde ermittelt seit 2015 mit einer eigenen Ermittlungsgruppe in Sachen Geldautomatensprengungen. Im Interview mit RADIO WMW-Reporter Benjamin Rotzler berichtet dieser Experte im Detail darüber, wie schwierig es für unsere Polizei ist, den Tätern habhaft zu werden. Schon fünf Geldautomatenüberfälle allein in diesem Jahr 2023 bei uns im Westmünsterland. Im Vergleich war es im vergangenen Jahr waren es insgesamt fünf. Das zeigt, es gibt einen Anstieg und die Täter werden dabei immer brutaler. (Das folgende Interview wurde bereits nach der vierten Sprengung aufgezeichnet. Aktuell sind es schon fünf, mit der letzten Sprengung in Velen / Stand: 15.03.23)
Es handelt sich oft um Tätergruppen aus einem riesigen Netzwerk in den Niederlanden, beheimatet in den Ballungsräumen Utrecht, Amsterdam, Rotterdam. Dort werden die Täter angeworben und dann gut vorbereitet auf Beutezug ins Nachbarland geschickt. Gute Tatorte aus Sicht der Täter sind Orte in Autobahnnähe und in Grenznähe zu den Niederlanden. Die Behörden dies- und jenseits der Grenze kooperieren und tauschen ihre Ermittlungsergebnisse regelmäßig aus. Aber auch das Täternetzwerk macht das. Deshalb ist das wirksamste Gegenmittel nicht nur mehr Sicherheit in den Banken und Sparkassen, sondern auch langfristig die Reduzierung von Geldautomaten, sagt der Experte vom LKA.
"Die Vorstellung, dass wir nachts vor jedem Geldautomaten Streifenwagen stellen, die ist nicht zu realisieren, soviel Personal haben wir gar nicht",
sagt Detlev Bosbach vom LKA NRW.