
Verbraucherzentrale: Mehrwertsteuersenkung ist nicht immer günstiger
In vielen Geschäften im Kreis Borken gibt es gerade besonders krumme Preise. Das liegt an der Senkung der Mehrwertsteuer, die viele Unternehmen an uns Kunden weitergeben. Die Verbraucherzentrale warnt aber, dass nicht alles mit einem krummen Preis auch ein Schnäppchen sein muss.
Veröffentlicht: Montag, 06.07.2020 12:24
Nicht alles ist mit weniger Mehrwertsteuer wirklich günstiger
Wir sollten besser ganz genau hingucken und trotzdem weiter Preise vergleichen, rät die Verbraucherzentrale in Gronau. Vor allem bei teureren Anschaffungen, zum Beispiel für den Haushalt. Denn manchmal wirkt die abgezogene Umsatzsteuer wie ein Schnäppchen, zwei Läden weiter ist das aber vielleicht der dauerhafte Preis für das Produkt. In den meisten Fällen ist die Ersparnis auch sehr klein, zum Beispiel im Supermarkt oder bei der Handyrechnung.
Verbraucherzentrale: Wo wir sparen können
Telefon und Internet
Auch bei Verträgen für Internet und Telefon gilt der reduzierte Mehrwertsteuersatz. Eine Reihe von Telekommunikationsanbietern hat angekündigt, die Preise der verschiedenen Tarifoptionen für Neu- und Bestandskunden entsprechend zu senken. Allerdings: Bei einem durchschnittlichen Tarif mit rund 40 Euro schlägt das monatlich mit gerade mal 1 Euro zu Buche. Offen ist derzeit noch, ob dem Kunden dies als einmaliger Betrag für die sechs Monate mit niedrigerem Mehrwertsteuersatz auf der Rechnung gutgeschrieben wird. Bei Prepaid-Tarifen ist im AufladeGuthaben noch keine Steuer enthalten. Daher bleiben die Beträge zum Aufladen identisch. Die Senkung ist dann in den Prepaid-Leistungen enthalten, die mit dem Guthaben bezahlt werden. Allerdings: Sichtbar wird die reduzierte Steuer ab Beträgen von 40 Cent aufwärts. Darunter wird zwar der NettoPreis gesenkt, aber die Veränderung liegt unter einem Cent und ist daher nicht zu erkennen. Daher sieht man zum Beispiel bei einem Preis von 9 Cent für eine SMS keine Veränderung zur Berechnung mit 19 oder 16 Prozent Mehrwertsteuer.
Bahntickets
Auch die Deutsche Bahn zieht das Ticket „Mehrwertsteuersenkung“ – Super Sparpreis-, Sparpreis- und Flexpreis-Tickets werden ab 1. Juli um 1,9 Prozent günstiger. Mit dem günstigsten Spar-Ticket auf Fernstrecken sind Reisende dann für 17,50 Euro statt bislang 17,90 Euro (ohne Bahncard) unterwegs. Rabatt gibt’s auch bei den Bahncards. So ist die Probe BahnCard 25 (2. Klasse) ab dem 1. Juli ebenfalls für 17,50 Euro (bisher: 17,90 Euro) erhältlich. Im Nahverkehr mit den zahlreichen Verkehrsverbünden und der Beteiligung der Kommunen ist das Vorgehen dagegen uneinheitlich. In einigen Regionen wird die Senkung weitergegeben, obwohl sie häufig nur wenige Cents ausmacht. Übrigens: Auch in den Bordbistros der ICE und der Intercity-1Züge gibt die Deutsche Bahn einen aus und reicht die Mehrwertsteuersenkung weiter. Kunden erhalten 2,5 Prozent Rabatt auf die gesamte Rechnung. In den Intercity-2-Zügen mit mobilem Speisen- und Getränkeverkauf gibt es einen Rabatt von 10 Cent pro Artikel.
Strom und Gas
Die großen Versorger wollen die reduzierte Mehrwertsteuer mit der jährlichen Abrechnung an die Kunden weitergeben. Die Höhe der monatlichen Abschläge ändert sich zwischen Juli und Dezember 2020 nicht. Wurde dem Energieanbieter der Zählerstand bei Strom und Gas nicht zum Stichtag 30. Juni 2020 mitgeteilt, wird der anteilige Verbrauch für die sechs Monate mit reduziertem Mehrwertsteuersatz geschätzt. Nach Berechnungen der Verbraucherzentrale NRW könnte ein Vierpersonen-Haushalt, der 4.250 Kilowattstunden Strom im Jahr verbraucht, rund 16 Euro durch die Steuersenkung in den sechs Monaten zwischen Juli und Dezember sparen. Bei der Gasrechnung mit einem Verbrauch von 20.000 Kilowattstunden pro Jahr wären es etwa 14 Euro.
Leasingverträge
Ob für Auto oder Campingwagen – Leasingraten, die zwischen dem 1. Juli und 31. Dezember 2020 anfallen, müssen an den befristet reduzierten Mehrwertsteuersatz angepasst werden. Verbraucher können also – abhängig von der Höhe der Leasingrate – bares Geld sparen.
Noch mehr Tipps zur Mehrwertsteuer-Senkung
Die Verbraucherzentrale hat noch mehr Tipps rund um die Mehrwertsteuersenkung hier zusammengefasst.