
So leben die Menschen aus der Ukraine bei uns
Es ist kein Ende in Sicht. Auch nach all den Monaten des Krieges zeichnet sich kein diplomatisches oder militärisches Ende der Kämpfe ab. Für die geflüchteten Ukrainerinnen und Ukrainer heißt das, dass eine Rückkehr in ihre Heimat noch immer nicht möglich ist. Wir sprechen in der Morningshow darüber, wie sie bei uns im Westmünsterland aufgenommen wurden und wie sie hier leben.
Veröffentlicht: Mittwoch, 14.09.2022 03:30
Das Westmünsterland hilft!
Alexandra ist eine von den geflüchteten Ukrainerinnen, die derzeit im Westmünsterland leben. Die einundvierzigjährige studierte Musikerin ist froh, mit ihrer Tochter Mariascha in Borken leben zu können. Es sei ein langsames, schönes und ruhiges Leben in Borken. Anders als eine Unterbringung in hektischen Großstädten, würde diese Ruhe den Ukrainern gut tun, sagt Alexandra. Für ihre Tochter Mariascha hat sie schon eine gute Schule gefunden, an der sie von Mitschülern und Lehrkräften unnterstützt wird. Auch für die junge Mariascha ist eben alles neu, sogar die Schriftzeichen, in denen sie lernt.
Aufgenommen wurden die beiden von Jürgen. Er ist 54 Jahre alt, hat einen guten Job und wohnt in Borken. Trotz seiner Entscheidung zu helfe, war er anfangs etwas ängstlich und skeptisch. Mittlerweile hat er aber vollstes Vertrauen in die beiden Ukrainerinnen. Der Umgang sei mittlerweile fast so, wie der mit der engen Famile. In seiner Wohnung haben Alexandra und Mariascha ihren eigenen Bereich. Dass seine Energiekosten im Winter steigen werden, nimmt Jürgen in Kauf. Die Ukrainerinnen deshalb aus der Wohnung zu werfen, ist für ihn keine Option. Alexandra hat ihm bereits eine finanzielle Unterstützung angeboten, im Zweifelsfall würde er sich zuhause statt eines T-Shirts aber auch einfach einen Pullover anziehen.
Auch Benedikt aus Lette will helfen
Auch Benedikt aus Lette würde gerne helfen und eine Wohnung an ukrainische Geflüchtete vermieten. Er konnte jedoch mehrere Wochen lang keine Informationen der Stadt Coesfeld erhalten, welche Kosten dabei auf ihn zukommen. Wir konnten Benedikt helfen und haben nochmal bei der Stadt nachgefragt. Man könne die Neben- und Heizkosten zwar nicht pauschal nennen, die Stadt hat Benedikt jetzt aber einen Ansprechpartner für seine Fragen zur Seite gestellt.
Auch LKW-Fahrer Normen hat eine Familie aufgenommen
Auch Normen hat eine ukrainische Familie bei sich in Bocholt aufgenommen. Auch er spricht von einem tollen Verhältnis, das er mit den Geflüchteten aufgebaut hat. ,,Es ist Familie geworden", sagt er. Von der Stadt Bocholt erhielt Normen jedoch keine Unterstützung. Finanziell hat er es zusammen mit den fleißigen Ukrainern geschafft, auch ohne Unterstützung über die Runden zu kommen. Wir haben die Stadt daraufhin nochmal kontaktiert. Die will sich jetzt zeitnah bei Normen melden.
Die Kommunen haben viel Arbeit
Ein Ende des Krieges scheint nicht in Sicht. Die Kommunen müssen daher mit weiteren Ukrainern rechnen, die vor dem Krieg hier im Westmünsterland Schutz suchen. Die Behörden stehen nun vor vielen Fragen. Wo können Geflüchtete untergebracht werden? In besonderen Unterkünften? In privaten Wohnungen? Müssen neue Unterkünfte gebaut werden? Zum Glück das Engagement der Westmünsterländer groß. Allein in Bocholt konnten Ukrainer bereits in 250 privaten Wohnungen untergebracht werden. Hinzu kommen viele ehrenamtliche Helfer, die den Geflüchteten im neuen Alltag helfen. So konnten zum Beispiel schon 13 der 82 geflüchteten in Südlohn und Oeding einen Beruf finden.
Integration Schule
Deutschlandweit gehen mittlerweile ca 150.000 ukrainische Geflüchete zur Schule - viele natürlich auch im Westmünsterland. Für die Schulen ist es eine große Herausforderung Schüler zu unterrichten, die kein Deutsch sprechen oder verstehen. Die Lösung ist oft eine Übersetzungsapp. Bei der Integration der jungen Ukrainer spielt Sport eine große Rolle. Die Sportart ist dabei egal, hauptsache die Kinder spielen in Teams zusammen und lernen sich so natürlich besser kennen.
Auch Vereine spielen große Rolle
Nicht nur der Schulsport, sondern auch Sport in Vereinen ist ein Integrationstreiber. Das stellt zum Beispiel der Deutsche Handballbund unter Beweis. Seit dieser Saison spielt der ukrainische Meister Saporischschja in deutschlands zweiter Bundesliga. So können die ukrainischen Profis in Form bleiben und außerhalb der Ligawertung regelmäßig gegen Profis spielen. Integration wird aber auch bei den Vereinen im Westmünsterland groß geschrieben. So zum Beispiel bei Eintracht Ahaus. Von den Kids bis in den Seniorenbereich finden sich mittlerweile Ukrainer in den Mannschaften.
Reporter Olaf Rüter fasst zusammen
Reporter Olaf Rüter hat sich viel mit den Geflüchteten aus der Ukraine befasst und mit den unterschiedlichen Parteien gesprochen. Anders als 2015 sehen sich die Behörden derzeit nicht mit einer Welle, sondern mit einer nicht abreißenden Kette an Geflüchteten konfrontiert. Eine schwierige Aufgabe, die die Kommunen unter Druck setzt. Umso wichtiger sind die zahlreichen Helfer, die Ukrainer bei sich aufnehmen oder anderweitig helfen.