Gafferwände Ahauser Feuerwehr

Wer hier bei uns einen Unfall hat, der möchte, dass ihm möglichst schnell geholfen wird. Zuschauer sind da einfach Fehl am Platz. Und trotzdem gibt es immer wieder Gaffer, die eine Rettung erschweren.

© Andreas Bäumer, Münsterlandzeitung

Ahaus ist die erste Feuerwehr hier bei uns mit Gafferwänden

Auch hier bei uns im Kreis Borken nimmt das Gucken zu, sagt die Feuerwehr und schützt sich und die Verunglückten ab sofort mit Gafferwänden. Die erste Feuerwehr, die solche Wände aufstellt, ist die aus Ahaus. Stephan Kruthoff geht als Chef der Feuerwehrleitstelle aber davon aus, dass andere Wachen nachziehen. Er wünscht sich von allen Beteiligten einfach mehr Verständnis und Rücksicht. Bisher müssen die Feuerwehrleute Decken hoch halten, um bei einem Unfall Verunglückte zu schützen. Das bindet sehr viel Personal. Im Zweifel, wenn es gar nicht anders geht, werden deshalb die Straßen nach einem Unfall komplett gesperrt.

Warum können wir nicht weggucken?

Unsere RADIO WMW Psychologie-Expertin Kirsten Nies hat eine Antwort darauf:

"Also es ist so, dass der normale Mensch, wenn er die Situation sieht und festgestellt hat, er kann helfen oder er kann nicht helfen, dass er dann wieder geht, Profis die Hilfe überlässt oder eben so geht. Der Gaffer, der bleibt stehen und der denkt einfach nur 'oh hier gibt es was ganz Tolles, das kann ich festhalten'."

Und das ist dann der Moment, in dem das Handy gezückt wird. Das kommt bei uns zum Glück nicht so oft vor, sagt die Feuerwehr. Trotzdem gibt es natürlich Unfälle, bei denen die Leute abgeschirmt werden müssen. Und das ist ziemlich aufwändig, sagt der Chef der Feuerwehrleitstelle Stephan Kruthoff:

"Weil wenn wir diese Situation haben, in denen wir einfach ganz normale Decken [nutzen], die müssen von Feuerwehrleuten gehalten werden, das bindet sehr sehr viel Personal und ist auch enorm belastend, weil man hat den Blick zum fließenden Verkehr, man hat den Blick auf die Unfallstelle und weiß nie in welchem Gefahrenbereich man sich da gerade befindet. Sehr gefählrich im fließenden Verkehr da zu hantieren."

In Ahaus müssen die Feuerwehrleute keine Decken mehr hoch halten. Denn dort gibt es seit einigen Wochen (06.12.19) aufblasbare Gafferwände. 2 Meter hoch und bis zu 20 Meter breit. Aufgebaut werden die ähnlich wie ein Zelt. In unter 2 Minuten steht das Ganze. Eingesetzt werden mussten sie bisher zum Glück noch nicht.

Ahaus ist die erste Wache hier bei uns, die solche Wände hat. Kruthoff geht aber davon aus, dass noch mehr Wachen hier bei uns auf Dauer solche Wände bekommen werden.

© RADIO WMW

Weitere Meldungen