Corona-App geht online: Alle Infos zur Warn-App für Smartphones

Die Bundesbürger können ab Dienstag, 16. Juni, ihr Handy einsetzen, um die Corona-Epidemie einzudämmen. Die "Corona-Warn-App" ist zu diesem Datum erhältlich. Wir beantworten die wichtigsten Fragen zur App.

© Bundesregierung/RKI

Einige Wochen später als geplant wird sie onlinegehen, die "Corona-Warn-App". Vor allem das Problem mit der Speicherung der personenbezogenen Daten und Unklarheiten über bestimmte Zuständigkeiten zögerte alles etwas hinaus.

Dazu wird die App gut sein

Sie wird uns vor Sars-Cov-2 nicht schützen und ersetzt auch bestimmt keine Hygieneregeln. Allerdings soll die Corona-Tracing-App bei der Bekämpfung der COVID-19-Pandemie helfen, indem sie die Kontaktketten positiv getesteter Personen frühzeitiger unterbrechen kann als dies bisher der Fall ist. Aktuell müssen Gesundheitsamt-Mitarbeiter Personen einzeln ermitteln, die mit einer infizierten Person in Kontakt geraten sind. Durch die App gewinnen die Gesundheitsämter in jedem Fall Zeit bei der Nachverfolgung.

So soll die App genau funktionieren

Alle Mobiltelefone, die die App installiert haben, können sich via Bluetooth mit Geräten in der Nähe verbinden. Das Smartphone verwandelt sich in einen "Bluetooth-Leuchturm", der im Abstand von zweieinhalb bis fünf Minuten eine Serie von Identifikationsnummern in die nähere Umgebung funkt. Gleichzeitig lauscht das Telefon, ob es Bluetooth-Signale von anderen empfangen kann. Menschen beziehungsweise Nutzer sollen bei engen Begegnungen per Bluetooth IDs dann austauschen können. Sollte einer der Nutzer auf Corona positiv getestet werden, würden Personen darüber informiert werden, dass sie sich in der Nähe eines Infizierten aufgehalten haben. Das ginge aber auch laut Digital-Magazin "TN3" nur dann, wenn der Corona-Positive das in der App einträgt.

Ziel der Tracing-App ist also: Je schneller die gewarnte Person über das Risiko einer Ansteckung Bescheid weiß, desto schneller kann sie wiederum eigene Schutzmaßnahmen ergreifen und sich beispielsweise in Quarantäne begeben und Kontakte im eigenen Umfeld schützen und vorwarnen.

So verwendet die App unsere Daten

Bei der Programmierung der App und der dazugehörigen Dienste wurde ein mehrstufiges Konzept umgesetzt, um einen möglichst hohen Datenschutz zu gewährleisten. Es sollen keine Ortsinformationen oder "Geo-Daten" übermittelt werden. Die Daten der Kontakte sollen nicht zentral, sondern dezentral auf dem Smartphone der Nutzer gespeichert werden. Die Entwickler der App versprechen, dass keine Daten zum Abgleich das Handy verlassen. Einzig die anonymisierte Liste (bei Kontaktbegegnungen anderer App-Nutzer) wird gespeichert, um "problematische Begegnungen" zu identifizieren, heißt es.

Was das eigene Smartphone können muss

Für eine Nutzung der App muss die Bluetooth-Funktion wohl dauerhaft aktiviert sein. Apple und Google haben laut der Verbraucherschutzzentrale alle technischen Voraussetzungen geschaffen, die wie folgt lauten: Während Apple-Nutzer ihr Betriebssystem auf iOS-Version 13 beziehungsweise 13.5 aktualisieren müssen, gibt es bei Google eine Lösung mit den Google-Konten, die jeder Android-Nutzer auf dem Smartphone hat. Damit sei man unabhängig von Smartphone-Herstellern und erreiche auch Nutzer, die keine Updates für ihr Betriebssystem mehr erhalten. 

Eine genaue Beschreibung, wie ihr für Android oder iOS (Apple) vorzugehen habt, findet Ihr hier.

Die Corona-App für Deutschland ist ab sofort für Android und Apple verfügbar.©
Die Corona-App für Deutschland ist ab sofort für Android und Apple verfügbar.
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Missbrauch und heimliches Überwachen nicht möglich

Die Bundesregierung will den Missbrauch der App ausschließen. Infektionsmeldungen können nur nach Bestätigung der Gesundheitsbehörden in der App eingetragen werden. Das geschehe dann durch das Scannen eines entsprechenden QR-Codes. Es ist quasi ausgeschlossen, dass auch die Bevölkerung nicht heimlich überwacht wird. Der Quell-Code der App kann auf der Plattform "GitHub" transparent eingesehen werden. Bei etlichen Analysen des Codes wurden keine Hintertüren oder andere Anomalien entdeckt.

So soll der Akku unserer Smartphones nicht beeinträchtigt werden

Dadurch, dass man sich auf Verwendung von Bluetooth LE geeinigt hat, sei ein schneller leerer Akku eigentlich ausgeschlossen. LE steht für Low Engergy (geringen Strombedarf). Die Entwickler versprechen, dass das Nutzen der App längst nicht so viel Strom verbraucht, wie das Streamen von Musik auf einen Bluetooth-Lautsprecher. Trotzdem wird die Praxis am Ende zeigen, wie es um die Akkus ausschaut.

So kann die App zu einem Erfolg werden

Studien zufolge sollten 60 Prozent der Bevölkerung eines jeweiligen Landes eine solche App verwenden, damit sie Erfolg hat. Die Bundesregierung sieht aber schon positive Auswirkungen bei einer deutlich geringeren Anzahl an Nutzern: "Jeder, der zusätzlich mitmacht, ist eine Hilfe, um Kontaktketten nachzuverfolgen", sagt die stellvertretende Regierungssprecherin Ulrike Demmer.

Viele wollen aber offenbar die App nicht benutzen. Gründe dafür seien vor allem Bedenken beim Datenschutz und der Überwachung. Die App wird aber mit Sicherheit nicht jedem Bürger vorgeschrieben: "Da es sich um eine freiwillige App handelt, die Menschen warnen kann und so dabei hilft, dass sich Bürgerinnen und Bürger frühzeitig testen lassen, wird in Grundrechte gerade nicht eingegriffen", sagt Demmer dazu.

Fehlalarme nicht ausgeschlossen

Da die Bluetooth-Technik nicht für das Messen von Abständen entwickelt wurde, wird es sicherlich auch Fehlalarme geben. Es kann zum Beispiel sein, dass sich Infizierte hinter einer Glaswand befunden haben und einen Alarm auslösen, obwohl durch den "Kontakt" keine Infektionsgefahr ausging. Daher verweisen selbst die Entwickler darauf, dass die App nur einen begrenzten Beitrag zur Normalisierung liefern kann. Die App findet Ihr hier.

Autor: Joachim Schultheis (mit dpa)

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